Mietobjekte

Taucherwaldhütte und Bürgerhaus
hier jetzt zum Buchungskalender

mehr lesen

Wirtschaft

Gewerbe / Unternehmen / Wirtschaft / Handel

mehr lesen

Gemeindeverwaltung

Informationen und Service der Gemeindeverwaltung Burkau

mehr lesen

Veranstaltungskalender

Veranstaltungen in der Gemeinde Burkau

mehr lesen

Uhyst a.T.

Der Name Uhyst geht auf das altsorbische Wort ujezd zurück und bedeutet „durch Umreiten abgegrenztes und für die Rodung bestimmtes Land“, auch Rodungsland selbst.

Unser Uhyst ist nur ein Ort von insgesamt fünf Dörfern in der Oberlausitz, die sich in der Vergangenheit Ugezd nannten oder in der Gegenwart Uhyst heißen. Die Übersicht gibt darüber Aufschluss:

Ältester Namensbeleg

aus dem Jahre

heutiger Name

geographische Lage

  1.   Wgest

1252

Breitendorf

nw. Löbau

  1.   Vgez

1336

Uhyst a. Taucher

n. Bischofswerda

  1.   Ugyst, Ugest

1400

Wuischke

sö. Bautzen

  1.   Ugezd

1418

Uhyst a. d. Spree

ö. Wittichenau

  1.   Vgestchen

1419

Wuischke

w. Weißenberg

 

Von welcher Seite der Besucher sich dem alten Straßenangerdorf Uhyst am Taucher(wald) auch nähert, immer wird er die auf einem kleinen Hügel erbaute Kirche im Blick haben, die in ihrer heutigen Gestalt 1800/01 an der Stelle einer älteren erbaut und im Oktober 1801 feierlich eingeweiht wurde. Nach Cornelius Gurlitt (1908) erbot sich im November 1799 der Amtsmaurermeister Johann Gottlieb Michael dem Rat der Stadt Bautzen, die Kirche in Form einer zentralen Predigtkirche „nach dem Lohmener Model“ zu errichten. J. G. Michael legte seinem Angebot einen Riß bei, der den Bautzener Ratsherren gefiel, die letztendlich die Genehmigung des Baues aussprechen mussten. Den Zuschlag erhielt Maurermeister Johann Gottlieb Staude und Zimmermeister Kühn, obwohl ihr Kostenanschlag rund 3 000 Taler über dem von J. G. Michael lag. Vermutlich gab der Hinweis den Ausschlag, dass „die alte Kirche stehen bleibt und die neue äußerlich herum gebaut werden soll“.

Altar, Kanzel und Orgel sind übereinander angeordnet und befinden sich an der östlichen Langseite des achteckigen, in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Kirchenschiffes. Der kompakte Turm mit einem achteckigen Glockengeschoss, das von einer Haube bekrönt wird, befindet sich an der westlichen Langseite. In der Sakristei, dem ältesten Teil der Kirche, wurde bei Erneuerungsarbeiten 1995/96 eine Nische freigelegt, in der aller Wahrscheinlichkeit nach von 1523 bis 1551 das aus der Taucherwaldkapelle stammende Marienbildnis aufbewahrt wurde.

Die alte Kirche, von der es leider keine Ansichten gibt, bestand aus „drey besonderen, nach  und nach angebauten Theilen“, sie war „lang und dabey sehr schmal“, außergewöhnlich finster, niedrig und hatte eine Sakristei, die „einem Keller ähnlich“ und höchst ungesund war. Deshalb gab es schon 1756, dem Beginn des Siebenjährigen Krieges, Vorstellungen über einen Neubau, der infolge der kriegerischen Ereignisse unterblieb.

Die Glocken der alten Kirche fanden bis 1841 im neuen Gotteshaus Verwendung. Dann wurden drei neue Glocken aus der Gießerei Friedrich Gruhl (Kleinwelka) angeschafft, von denen die kleinste 1917 abgenommen und eingeschmolzen und bis 1936 nicht wieder ersetzt wurde.

1856 erhielt die Kirche eine neue Orgel, die Urban Kreutzbach aus Borna baute. Sie war sein erstes in die Oberlausitz geliefertes Instrument, dem die Orgeln für Großpostwitz (1857) und Oberfriedersdorf (1868) folgten. Im Oktober 1856 prüfte Domorganist Carl Eduard Hering aus Bautzen die Uhyster Orgel, der das Werk als gut beurteilte. Einen Tag nach der Abnahme fand die Orgelweihe statt. Das zwei Manuale und 22 Register umfassende Instrument spielten C. E. Hering und der 1809 in Siebitz geborene Uhyster Kantor Michael Schneider, der hier als erster pädagogisch ausgebildeter Lehrer wirkte. Die Kreutzbach-Orgel ist – außer den Prospektpfeifen – noch original erhalten und stellt „ein beachtliches Instrument aus der Mitte des 19. Jahrhunderts dar und verdient denkmalpflegerischer Beachtung“ (W. Hackel, 1990). Über die Orgeln vor 1856 ist kaum etwas bekannt. 1736 bemühte sich Schulmeister Johann George Reim erfolglos um die Anschaffung einer kleinen (vermutlich auch neuen) Orgel, denn 20 Jahre später wird in den Budissiner Nachrichten die alte Uhyster Orgel zum Verkauf angeboten, ohne einen Käufer zu finden. Fast 100 Jahre später (1858) wird in fünf Zeitungen die Versteigerung der Orgel angekündigt, zu der aber lediglich ein Uhrmacher erschien, der nur wenig bot. Zwei Jahre später ließ sich wenigstens das alte Pfeifen- und Holzwerk veräußern. Während des ersten Weltkrieges wurden die Prospektpfeifen abgenommen und eingeschmolzen. Bei der Entnahme fertigte die Bautzener Orgelbaufirma Hermann Eule genaue Zeichnungen an, die 1923 als Vorlage für die Erneuerung dienten. Den Taufstein (weißer und dunkelgrüner Marmor) mit silberner Taufschüssel stiftete 1895 Rittergutsbesitzer Oscar Hustig auf Neustädtel und Jiedlitz.

 

Aus Urkunden ist zu schließen, dass es schon 1412 eine Kirche in Uhyst gab. In jenem Jahr bestätigte das Bautzener Domkapital den Empfang eines Geldbetrages des damaligen Pastors Michael Drebnitz. Als erster evangelischer Geistlicher wirkte Donat Möller. Nach ihm u. a. Johann Christoph Lange (1716 – 1730), der Pate Gotthold Ephraim Lessings, und Karl Friedrich Immanuel Schulze (1818 – 1851), der sich sehr um die Verbesserung des Schulunterrichtes bemühte und „oft gern seinen überlasteten Schulmeister“ vertrat. Er ordnete das Kirchenarchiv und legte ein 300 Seiten umfassendes Namensregister aller seit 1692 in Uhyst getauften, getrauten und beerdigten Personen an. Seine „acta privata“ stellt ein über drei Jahrzehnte geführtes Tagebuch dar. In der Nachfolge Möllers sind noch zu erwähnen: Dr. phil. Karl August Karlich (1871 – 1887), der spätere Superintendent in Oschatz, und Johann Maximilian Hermann Wetzke (1887 – 1915), der das heutige Pfarrhaus erbauen ließ. Gegenwärtig gehören zur Kirchgemeinde 22 Ortschaften.

Mit dem Weggang von Pfarrer Theodor Kappler an die Michaeliskirche in Bautzen verliert sich 1927 die Spur sorbisch predigender Pastoren in Uhyst.

Im Mai 1996 konnte in einem ökumenischen Festgottesdienst die Uhyster Peter-und-Paul-Kirche als Autobahn-Kirche geweiht werden. Es ist die erste in Sachsen, die zweite in den neuen Bundesländern und die 14. in Deutschland. Das Weihegebet sprach der katholische Priester Michael Anders aus Panschwitz-Kuckau, die Predigten hielten der evangelische Gemeindepfarrer Andreas Blumenstein und der katholische Theologe Dr. Rudolf Kilank aus Ostro. Da die Gemeinde den hohen Kostenaufwand für die Renovierung nicht selbst zu tragen vermochte, gewährten die evangelisch-lutherische Landeskirche Sachsen sowie das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit Zuschüsse.

Die Kirchgemeinde veranstaltet Gemeinde- und Kinderfeste, sorgt für Treffen der Senioren und hält in den Kirchgemeindeorten Bibelstunden ab. Der Pfarrer belebte den sogenannten Landfilm wieder und holte ihn ins Dorf zurück. Für sein großes Engagement erhielt Pfarrer Andreas Blumenstein 1998 den Sächsischen Verdienstorden.

Ihre Angehörigen bestattet die Kirchgemeinde auf dem kleinen Friedhof rings um die Kirche, einem sehr alten Begräbnisplatz. Die gegenwärtige Anlage stammt aus dem Jahr 1870, die um 1975 eine Erweiterung erfuhr. Bei einem Gang über den Friedhof entdeckt der aufmerksame Besucher zahlreiche Grabmale, die im Zusammenhang mit der Dorfgeschichte stehen. So lesen wir u. a. den Namen von Pfarrer Traugott Ehrenreich Lange († 1794). Andere Grabsteine künden von Rittergutsbesitzern, Landwirten und Handwerkern, auch von Halbhüfner und Besitzer der wendischen Försterei am Taucherwald, Johann Lehmann (1706 – 1749). Hier ruht auch Pawoł Krawc/Paul Schneider (1885 – 1954), der in Uhyst Lehrer, Kantor und Chordirigent war. Schließlich liegt auf dem Friedhof die Altistin Marie Louise Nanitz (1842 – 1903) begraben. Von Zeitgenossen als hervorragende Opernsängerin geschätzt, gehörte sie von 1868 bis 1885 der Königlichen Hofoper in Dresden an.

Das Denkmal für die Gefallenen des ersten Weltkrieges befindet sich am Südeingang des Kirchhofes. An die Opfer des zweiten Weltkrieges erinnert ein schlichtes Holzkreuz vor der Nordwand der alten Leichenhalle. Daneben zwei Tafeln, die eine Aufschrift „Zum Gedächtnis an unsere Gefallenen und Vermißten 1939 – 1945“, die andere mit dem Hinweis „Hier ruhen unbekannte deutsche und polnische Soldaten“.

Uhysts urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1336 zurück. Damals stritten sich die Äbtissin des Klosters St. Marienstern, Adelheid v. Colditz, und der Pfarrer Johann aus Neukirch über eine Geldangelegenheit. Die Schwester des Geistlichen lebte als Nonne im Kloster und verfügte über kein eigenes Einkommen. Der Bruder aber besaß fünf Talente Einnahmen aus dem Jahreszins in Sollschwitz, auf die er zugunsten des Klosters verzichtete, weil davon seine Schwester den fünften Teil bekam. Als Belohnung für das Kloster bestimmte er, dass nach seinem Tod drei Talent von Vgez und ein Talent von Camenz an St. Marienstern fallen. Klosterbesitz war Uhyst nicht. Das Dorf hat also zu Beginn des 14. Jahrhunderts schon bestanden.

1484 gelangt Uhyst in den Besitz der Stadt Pawdißen, dem heutigen Bautzen und wird „stadtmitleidend“. Der Ort hatte Abgaben, Gespanndienste und Steuern zu leisten. Ein Ratsherr residierte als Inspektor im sogenannten Inspektionshaus (Hauptstraße 60). Das Bautzener Stadtwappen ziert noch heute die südliche Hauswand (vor der Renovierung die westliche).

Durch den Pönfall verlor die Stadt Budissin 1547 sowohl alle Privilegien als auch Uhyst. Diese Strafe verhängte König Ferdinand von Böhmen, weil ihm die Stadt in der Schlacht bei Mühlberg nur zögerlich half. Damals bestand Uhyst aus 21 Gutswirtschaften. 1555 gelangte das Dorf wieder in den Besitz von Bautzen. Am Ende des 16. Jahrhunderts waren die von Uhyst geforderten Abgaben an die Stadt sehr hoch. Von allen Budissiner Ratsdörfern hatten die Einwohner von Uhyst das meiste Korn abzuliefern. Außerdem verlangte die Stadt Hühner und Eier. Im Jahre 1620 mussten je Bauer vier Hühner und 20 Eier, je Wirtschaftsbesitzer zwei Hühner und zehn Eier für die Stadt aufgebracht werden. Leider blieb es nicht bei diesen Naturalabgaben. 1630 betrugen die Geldforderungen zehn Silbergroschen und neun Pfennig pro größerem Bauer. Selbst die einfachen Häusler waren nicht zinsfrei. Beim Verkauf von Grundstücken  war die Besitzwechselsteuer fällig, bei Erbschaften das sog. Erbgeld.  Die Einnahmen der Stadt Budissin aus den Besitzverwaltungen (mit Teilen von Großhänchen) beliefen sich 1624 auf 955 Taler. Später kamen Holz- und Getreidefuhren sowie Spanndienste hinzu. All diese Lasten nahm die Bevölkerung  nicht ohne Murren hin und protestierte. Weil sich „ein großer Ungehorsam bei den Uhyster Unterthanen befindet“, wurden 1696 „zum Schrecken und der Strafe drey halßeisen an die Gerichten angeschloßen“.

Auf der Gemeindeaue kaufte sich 1715 die Witwe Agnes Rehde „ein Plätzchen“, um sich darauf ein Haus zu errichten. Diese Plätzchen waren nicht groß und zogen sich zwischen den Häusern hin, die der gemeinschaftlichen Hutung dienten und über die die Wege zu den Nachbarn führten. Im Verlauf der Zeit eigneten sich immer mehr Häusler diese Flurstücke an und nutzten sie für ihre Zwecke.

Als im August 1756 Friedrich II. von Preußen Sachsen überfiel, begann der Siebenjährige Krieg und eine große Leidenszeit für die Oberlausitz, weil alle durchziehenden Truppen (anfangs nur Preußen, später auch Österreicher) Verpflegung und Futter für ihre Rosse verlangten, darüber hinaus Spanndienste und Geld. Junge Männer wurden als Rekruten ausgehoben und in die preußische Armee gepresst, sofern sie gesund, groß und kräftig waren und gefunden wurden. Die Uhyster Gerichtsschöppen Nikolaus Katzer und George Sperling versuchten alles, um jungen Männern den Kriegsdienst in fremden Heeren zu ersparen. Die Bemühungen der Dorfältesten und Gerichtsschöppen blieben erfolglos. Au „obrigkeitlichen Befehl“ begibt sich der städtische Gerichtsdiener auf die Dörfer, um Nachfrage zu halten und Erkundigungen einzuziehen, „ob nicht junge Mannschaft vorhanden (und) zur Rekrutengestellung tüchtig sei“. Der schriftliche Bericht schließt mit den Worten: „Auch läßt sich kein junger Kerl, der etwa das Maß haben könnte, mehr auf der Straße blicken.“

Der Siebenjährige Krieg ist noch nicht zu Ende, da fordern im November 1762 die Preußen unter Androhung von Feuer und Schwert je Bauer vier Scheffel Hafer, fünf viertel Zentner Mehl, 22  Rationen Heu (das Gebund zu sechs Pfund) und zehn Gebund Stroh zu je 20 Pfund.

Während der Befreiungskriege hatte Uhyst im September und Oktober 1813 ebenfalls viel an preußische und diesmal auch an russische Truppen abzugeben, vor allem Schafe, Gänse, Hühner und Rinder. Darüber hinaus verlangte man pro Einwohner etwa 25 Liter Mehl, ein halbes Brot und knapp fünf Liter Branntwein, Butter und Honig.

Uhyster Bürger wehrten sich nicht nur gegen zu hohe Lasten und Kontributionen sondern auch gegen den städtischen Salzzwang. Im Verein mit anderen der Stadt Budissin zugehörigen Dörfern forderten diese im August 1848 den sächsischen Landtag auf, den Salzzwang abzuschaffen, d. h. Salz nur in der Ratssalzschenke zu kaufen, die an einen Pächter vergeben war. In der Petition verwiesen die Dorfbewohner darauf, „daß unter den Konsumenten die größte Zahl nur arme Leute sind, welche das Salz nie anders als mäßchenweise einkaufen können, wozu öfters das Geld geborgt wird, auch wegen der weiten Entfernung der Stadt dabei noch einen Arbeitstag versäumen müssen“. Andere Städte in der Oberlausitz hatten ihr Salzmonopol längst an ihre Untergebenen in den Ratsdörfern abgetreten. 1848 verlangten sorbische und deutsche Untertanen des Klosters St. Marienstern die Abschaffung feudaler Lasten und richteten ebenfalls ein Schreiben an den Sächsischen Landtag, das auch die Gemeindevorstände von Uhyst, Auschkowitz und Taschendorf unterzeichneten. Darin wurde die Aufhebung aller Gesetze verlangt, die die Rittergutsbesitzer bevorzugen: den Wegfall von Lehn-, Hufen-, Wacht-, Handwerks- und Konzessionsgeld, den Erb- und Häuslerzins, des Jagdbefugnisses und der Fischerei auf ihren Grundstücken.

Die Anfänge der Dorfschule liegen im Dunkeln. Der früheste Hinweis ist in den Bautzner Steuerlisten von 1630 zu finden, wo es heißt, die Schule soll nicht „mit Erbzins und anderen Beschwer“ belastet werden. 1635 wird das Häusel des Schulmeisters Johann Koban erwähnt, der 1636 für einen Taler zwei Buchen aus dem Taucherwald kauft, um sie vermutlich als Brennholz für seine Wohnstube zu nutzen, die zugleich Schulstube ist. Als 1731 die Schulmeisterstelle vakant wird, bewerben sich sechs Kandidaten, die der Pfarrer auf ihre Eignung prüfte. Sie mussten deutsche und wendische Texte lesen und schreiben können. Die Instruktion für den Uhyster Schulmeister aus dem Jahre 1722 verlangte u.a. , dass er „sowohl bei dem wendischen als deutschen Gottesdienste diejenigen Lieder, welche ihm entweder von dem Herrn Pfarrer vorgeschrieben oder aber bei Leichenpredigten und sonst von denen Leuten verlangt werden, in wendischer und deutscher Sprache tau helle deutlich und verständlich absingen“ kann. Die Vorschrift galt noch viele Jahrzehnte. Aus welchen umliegenden Dörfern die Knaben und Mädchen kamen, erfahren wir aus der Liste der Korn- und Hafergarben, die die einzelnen Orte zum Einkommen des Lehrers beizusteuern hatten: Auschkowitz, Bocka, Glaubnitz, Großhänchen, Jiedlitz, Kaschwitz, Pannewitz und Taschendorf. Die Dienstvorschrift besagte auch, wofür der Lehrer noch zuständig war, z. B. die Kirchturmuhr zu stellen, die Kirchenwäsche zu waschen, Gevatterbitten und im Winter vom Pfarrhofe bis zur Kirche den Schnee zu fegen. Ohne Wissen des Pfarrers durfte der Schulmeister über Nacht nicht ausbleiben.

Um 1825 besuchten 95 sorbische und 23 deutsche Kinder die Schule. Als 1836 der erste Schulvorstand zusammentrat, kamen dessen Mitglieder aus den schon erwähnten Orten, außerdem aus Kleinhänchen, Lehndorf, Neraditz, Neuhof und Neustädtel. 1949 besuchten sogar Kinder aus Nuckwitz, Siebitz und Tschaschwitz die Schule in Uhyst.

Während die Schule den Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) heil überstanden hatte, brannte sie 1770 ab, wurde sofort wieder aufgebaut und befand sich noch 1825 in tauglichem Zustand. Infolge zunehmender Schülerzahlen war sie bald zu klein und, wie eine Überprüfung feststellte, auch zu dunkel.

Als erster seminaristisch ausgebildeter Lehrer kam 1842 Michael Schneider nach Uhyst. Er unterrichtete die Dorfkinder bis 1873 sechs Stunden täglich in zwei Klassen. Unterrichtsfächer waren Religion, Schreiben, Rechnen, Lesen und etwas heimatliche Naturkunde. An Lehrmitteln standen ihm eine Landkarte von Sachsen, später auch eine von Deutschland zur Verfügung, die er aus der eigenen Tasche bezahlte. Die Kosten für den Globus trug die Schulkasse. Als 1860 fast 200 Kinder in drei Klassen unterrichtet wurden, spitzte sich die Lage zu. Anlässlich einer Inspektion stellte der Kirchen- und Schulrat Wildenhahn fest: „In der Schulstube herrscht eine wahre Kellerluft, alles modert und fault darin.“ Als 1873 noch eine Fortbildungsklasse für Jugendliche eröffnet wird, die sonntags unterwiesen wurde, platzte der Schulraum aus den Nähten. Ein Jahr später gestattet die Schulbehörde endlich den Bau eines neuen Gebäudes, das im Oktober 1875 eingeweiht werden konnte. Die Schule bestand nun aus zwei Klassenzimmern und zwei Lehrerwohnungen. Seinerzeit rühmte man den Bau als „die stattlichste und am zweckmäßigsten eingerichtete Dorfschule des Bautzner Bezirks“. Ein zweiter Lehrer mit einem Jahresgehalt von 1 050 Mark, das er mit ein paar kleinen Nebenbezügen aufbessern konnte, fand Anstellung. Die Wohnung war mietfrei und die Heizung kostenlos. Als 1911 neben der landwirtschaftlichen noch eine gewerbliche Berufsschulklasse geschaffen und die Volksschule als sechsklassige Schule entwickelt wurde, bestand wieder akuter Raummangel. Aus diesem Grunde wurde der Konfirmationsunterricht in das Pfarrhaus verlegt. Eine Verbesserung trat erst mit dem Bau eines neuen Schulgebäudes im Jahre 1913 ein, wobei das alte Haus erhalten blieb und weiterhin genutzt werden konnte. In diesen beiden Gebäuden wurden die Kinder des Uhyster Schulbezirkes bis 1980 unterrichtet.

1945 wurde aus der sechsklassigen eine achtklassige Schule. Wegen erneutem Raummangel unterrichtete man die beiden oberen Klassen in Räumen des „Erblehngerichtes“. Im Rahmen einer Schulreform wurde 1963 aus der achtklassigen die zehnklassige polytechnische Oberschule. Seit 1980 ist Burkau mit einer Grund- und Mittelschule Schulort.

In der alten Uhyster Schule, deren beide Gebäude durch einen Mitteltrakt verbunden sind, entstand 1980 ein Heim für elternlose und familiengestörte Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 7 und 18 Jahren. Im Juni 1992 übernahm das Diakonische Werk Sachsen die Trägerschaft.

Kindergarten und Kinderkrippe ergänzen die in Uhyst vorhandenen Betreuungseinrichtungen.

Eine andere wichtige Institution des Dorfes ist die Freiwillige Feuerwehr. Als sie ihr 90. Gründungsjubiläum feierte, kamen 35 Wehren aus nah und fern, um zu gratulieren, darunter die Feuerwehr aus Uhyst an der Spree, mit der sich unsere Uhyster seit 1987 freundschaftlich verbunden fühlen. Das hat einen kuriosen Grund: Uhyst am Taucher erhielt eines Tages die Einladung zum Feuerwehrjubiläum nach Sabrodt, nördlich von Hoyerswerda, wohin es überhaupt keine Verbindung gab. Großes Staunen. Trotz erheblicher Zweifel nahmen die Uhyster die überraschend eingetroffene Einladung an.  In Sabrodt merkten sie, dass Uhyst an der Spree gemeint war. Seit dieser Zeit treffen sich die Freiwilligen Feuerwehren beider Uhystorte im  jährlichen Wechsel zum feuerwehrsportlichen Vergleich und Gedankenaustausch.

Die Freiwillige Feuerwehr von Uhyst am Taucher wurde 1905 gegründet. Anfang des Jahres 1905 trafen sich im Erblehngericht einige interessierte Männer und besprachen, was hinsichtlich der Gründung einer Wehr zu tun sei. Über die technische Ausstattung der ersten Uhyster Feuerwehr ist wenig bekannt. Die 1905 angeschaffte Handdruckspritze musste von Pferden gezogen werden. Ab 1935 stand eine Motorspritze bereit. Erst als Fabrikbesitzer Hecker aus Dresden, der damals nach Uhyst zur Jagd kam, der Wehr einen gebrauchten Mercedes schenkte, konnte auf Pferde zum Transport der Spritze verzichtet werden. Der Zweite Weltkrieg riss große Lücken in die Reihen der Kameraden und minderte die feuerwehrtechnische Ausrüstung. Außer der Spritze, die wieder von Pferden zu ziehen war,  und einigen Schläuchen war nichts mehr vorhanden. Es dauerte noch Jahre, bis die Freiwillige Feuerwehr ihren Vorkriegsstand erreichte. Eine durchgehende Verbesserung stellte sich erst in den sechziger Jahren ein, als die Wehr neues Schlauchmaterial, eine bessere Spritze und ein Motorfahrzeug erhielt. Mit der Verbesserung der materiellen Voraussetzungen erhöhte sich auch der Ausbildungsstand der Feuerwehrmannschaft, die sich nun an feuerwehrsportlichen Wettkämpfen und Ausscheiden beteiligte und dabei manchen Sieg errang.

Zwischen 1979 und 1982 baute sich die Feuerwehr ein neues Gerätehaus, wobei die Kameraden manches Wochenende dafür opferten. Es enthält neben dem Geräteraum ein Schulungszimmer und eine Wohnung für den Gerätewart.

Als am 1. Mai 1983 über Uhyst ein heftiges Unwetter niederging, ergossen sich große Wassermassen mit viel Schlamm in den Ort, die alle Feuerlöschteiche unbrauchbar machten. Es war nach der Fertigstellung des Gerätehauses die erste Bewährungssituation.

Seit 1978 ist der Feuerwehr eine Gruppe „Junger Brandschutzhelfer“ angeschlossen. Zur Feuerwehr Uhyst, die 1992 den Sachsen-Pokal gewann, gehören noch sie selbstständigen Löschzüge in Großhänchen/Pannewitz und Jiedlitz/Kleinhänchen sowie eine Frauenabteilung. Nach dem Inkrafttreten der neuen Satzung (Oktober 1996) ist die Uhyster Ortswehr Bestandteil der Freiwilligen Feuerwehr Burkau.

Neben einer Feuerwehr und einigen christlichen Gruppen gibt es in Uhyst keine Vereine, die das gemeinschaftliche Leben im Dorf pflegen und organisieren. Wie so oft starb mit den Gründern und integrierenden Personen auch der Verein. Von einigen Vereinen, die es im Dorf einmal gab, sollen wenigstens ihre Namen und Gründungsjahre erwähnt werden:

Militärverein (1876)

der 1936 noch 130 Mitglieder zählte

Landwirtschaftsverein (1883)

Darlehens- und Sparkassenverein (1897),

der sich 1909 ein Verwaltungsgebäude baute und viele Mitglieder aus den umliegenden Dörfern hatte,

Männergesangsverein (1899), dem vorwiegend Mitglieder des Militärvereins beitraten,

Gemischter Chor (1911)

Christlicher Frauenverein (1917)

Turnverein (1923)

Der 1983 begonnene Bau einer Freizeitstätte für den Jugendclub konnte 1985 vollendet werden.

Aus Anlass des 650jähigen Ortsjubiläums fand 1986 ein Dorffest mit Trödelmarkt statt, der 3 000 Besucher nach Uhyst lockte.

Die Zusammenkünfte der Vereine fanden vorzugsweise in den Schenken und Bierstuben statt, die es fast in jedem Dorf gab und gibt. In Uhyst kennen wir als ältestes Wirtshaus den Kretscham, das spätere Erb(lehn)gericht. „Der Kretzschmer“ – es ist nicht anzunehmen, dass es sein richtiger Familienname war – verfügte 1534 über das zweitgrößte Gut im Dorf, das mit der Schankgerechtigkeit ausgestattet war. Dieses Gasthaus wurde 1959 privatwirtschaftlich betrieben, dann übernahm es von 1960 bis 1989/90 die Konsumgenossenschaft, die 1979 die Renovierung der Räume vornahm und die Rekonstruktion des Saales veranlasste. Die Einweihung des 1853 „neu erbauten Tanzsaales“ wurde zwei Tage mit „vollstimmiger Tanzmusik“ gefeiert. Nach der Wende (1989/90) ist das Erblehngericht zu neuem Leben erwacht. Vor 300 Jahren durfte im Kretscham nur Budissiner Bier ausgeschenkt werden, ganz anders als heute. Neben dem Erblehngericht verfügte auch das Inspektionshaus in dem sich später der „Gasthof zum Taucherwald“ etablierte, über das Privileg des Bier- und Branntweinschenkens. Zudem betrieben die Pächter des Hauses einen Krämerladen. Nachdem die Stadt Bautzen das Inspektionshaus verkauft hatte, betrieb der neue Besitzer nur noch die Gastwirtschaft, richtete aber 1838 eine Ausspanne ein.

Bewohner des Ortes verdienten sich als Bauern, Handwerker und Händler ihr tägliches Brot. Pfarrer Hermann Wetzke stellte vor 100 Jahren fest: „Abgesehen von einigen Handwerkern treiben alle Einwohner der Parochie Landwirtschaft“. So ist es im Grunde geblieben, wenngleich sich die demografischen, wirtschaftlichen, soziokulturellen und agrarischen Strukturen verschoben. 1534 existierten in Uhyst 21 bäuerliche Wirtschaften. 1728 ist immer noch dieselbe Struktur zu erkennen, kleine und große Wirtschaften halten sich die Waage. Auch aus dem 1829 angefertigten Vermessungsregister mit Angaben des Grundbesitzes ergibt sich kaum etwas anderes. Alles hatte seine innere, über Jahrhunderte bewährte Ordnung, die im März 1959 aus den Fugen geriet, als die erste LPG in der Gemeinde Uhyst gegründet wurde. Ein Jahr später befanden sich alle Bauern in der LPG.

Nach 1989/90 entstand aus der LPG die Taucherwald Agrar GmbH mit Sitz in Auschkowitz. Sie bewirtschaftet 190 Hektar (160 Hektar Acker, 30 Hektar Grünland) und besitzt 80 Kühe und zahlreiche Jungrinder.

Aus Abgabelisten und Ausgedingeverträgen wissen wir, was früher in Uhyst angebaut wurde: Roggen, Weizen, Hafer, Hanf und Flachs sowie Mohn (Auschkowitz). Vom 17. bis ins 19. Jahrhundert hinein spielte das Heidekorn eine beträchtliche Rolle, das an den Boden keine großen Ansprüche stellte. Im dem Maße, wie sich die Kartoffel einbürgerte, nahm der Anbau des Heidekorns ab. Frühe Erwähnungen der Kartoffel stammen aus Steinigtwolmsdorf (1741), Rammenau (1745), Frankenthal (1749), Burkau (1756) und relativ spät aus Uhyst (1797). Sicherlich war das krautartige Nachtschattengewächs auch schon vorher in Uhyst bekannt und wurde, wenn nicht feldmäßig, so doch vielleicht in Gärten angebaut. Um 1962 betrug die Kartoffelanbaufläche 14 Prozent des Uhyster Ackerlandes. 46 Prozent des Ackerlandes blieben dem Getreideanbau vorbehalten. Interessant ist, dass um diese Zeit der Ackerlandanteil an der Gesamtflur 50 Prozent ausmachte, zu Beginn des 19. Jahrhunderts aber nur 25 Prozent betrug. Das deutet einerseits auf eine extensiv betriebene Landwirtschaft hin, andererseits auf die dramatische Abnahme der Wiesen und des Weidelandes als notwendige Voraussetzung der bäuerlichen Schafhaltung. Aus keinem anderen Dorf der Gemeinde ist so viel von der Schafzucht zu hören wie aus Uhyst, die hier wohl eine gewisse Bedeutung gehabt haben muss. So besaß 1667 Matz Lehmann außer zwei Pferden und einer Kuh 60 Schafe. Um 1700 wurden auf Matthes Lehmanns Gut 100 Schafe gehalten, und der Ganzhüfner Andreas Lehmann zählte 1820 72 Mutterschafe, 65 Schöpse und 26 Lämmer. Der Anteil der Wiesen und Weiden an der landwirtschaftlichen Nutzfläche (LNF) betrug 1957 in Uhyst 14,5 Prozent. Damals hatte Uhyst den niedrigsten Besatz an Schafen je 100 Hektar LNF, fünf Jahre später den höchsten, wobei dieser Umstand durchaus mit der Zunahme von Schafen in den Hauswirtschaften im Zusammenhang stehen kann.

 

1957

 

1962

 

Schafe in

Stück

je 100 ha LNF

Stück

je 100 ha LNF

Burkau

346

34,1

237

23,5

Großhänchen

137

44,8

36

9,3

Uhyst

122

29,5

252

60,7

 

Während 1980 die LPG noch 570 Schafe weidete, umfasste die Herde 1989 nur noch 420 Tiere. Es war die größte Herde im damaligen Kreis Bischofswerda, die von den Schäfern Dieter Schlafke (1980) und Eckhard Schwarz (1989) betreut wurde. Ein uns unbekannt gebliebener Schäfer aus Uhyst kommt in einem sorbischen Lied vor, dass Leopold Haupt und Jan Arnošt Smoler/ Johann Ernst Schmaler 1841 in ihre Sammlung der „Volkslieder der Wenden in der Ober- und Nieder-Lausitz“ aufnahmen. Möglich ist, dass das Lied „Bohi wowčer“ (Der liebe Schäfer) auch in anderen Dörfern bekannt gewesen ist und gesungen wurde.

Neben den Bauern ließen sich Handwerker und Geschäftsleute nieder. 1632 in erstmals von einem Schmied  die Rede, 1681 arbeitete ein Leineweber hier, 1728 werden zwei Schuhmacher, ein Bäcker und ein Zimmermann erwähnt, 1797 ein Böttcher, 1799 ein Gärtner, der zugleich Wagenbauer war, und 1838 suchte ein Flickschneider seinen Lebensunterhalt in Uhyst zu verdienen. Bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts gab es im Dorf sogar zwei Bäcker und zwei Gaststätten sowie einen Tischler, Stellmacher, Schmied und Schuhmacher. 1995/96 sind zu nennen: Fleischerei, Lebensmittelgeschäft, Friseur, Tischlerei, Fuhrbetrieb, Klempnerei, Partyservice und Obstlohntausch.

 

Quelle: „Burkau und seine Ortsteile“(Autor: Horst Gersdorf)  herausgegeben von der Gemeindeverwaltung Burkau