Mietobjekte

Taucherwaldhütte und Bürgerhaus
hier jetzt zum Buchungskalender

mehr lesen

Wirtschaft

Gewerbe / Unternehmen / Wirtschaft / Handel

mehr lesen

Gemeindeverwaltung

Informationen und Service der Gemeindeverwaltung Burkau

mehr lesen

Veranstaltungskalender

Veranstaltungen in der Gemeinde Burkau

mehr lesen

Maßnahmen des präventiven Hochwasserschutzes in der Ortslage Taschendorf der Gemeinde Burkau

Taschendorf

In der Bischofswerdaer Zeitung „Sächsischer Erzähler“ rühmte man 1923 Taschendorfs Lage. Der Ort, „in einer lieblichen Aue gelegen, ist ein freundliches Dörfchen und könnte gewiß solchen Menschen, deren Nerven im Trubel der Großstadt abgearbeitet sind, recht wohl zum Erholungsaufenthalt dienen. Der ländliche Frieden, der über der ganzen Gegend ruht, dürfte sicherlich Wunder wirken und Balsam sein.“

Das kleine Runddorf mit einer ehemals vorhandenen Block- und Streifenflur liegt nördlich des 344 Meter hohen Polaer Berges und westlich des Taucherwaldes in einer Höhe von 250 Metern.

Der deutsche Name bezeichnet den Ort nach dessen Lage. Es bedeutet „Dorf in einer Senke“ bzw. Tasche. Nach Auffassung Leipziger Namensforscher könnte auch ein Zusammenhang mit dem Pohlaer Berg bestehen, der einmal den Namen Taschenberg trug. Der Höhenunterschied zwischen dem Pohlaer Berg und der Dorfmitte beträgt auf 1250 Meter Entfernung 100 Meter. Der sorbische Name beruht wahrscheinlich auf dem altsorbischen Namen Ledbor und hat also nichts mit der deutschen Bezeichnung gemein. Die Namensform blieb seit der ersten urkundlichen Erwähnung im Jahr 1532 unverändert, wobei der sorbische Ortsname erst 1684 auftaucht.

Die grundherrschaftlichen Rechte besaß die Stadt Budissin. Ihr unterstanden 1534 „7 pawerschaften“ mit zum Teil noch heute vorkommenden Familiennamen: Rhede, Donat Redynne, Paul Noagk, Hans Peter, Merten Kleinhans, Mattes Auschkewitz und Blasius Hornoff. Erbgeld, Zinsen und Naturalabgaben der Bauern kassierte im 16. Jahrhundert die Stadt Budissin. Im „Cammer Memorial“, dem Merkbuch des Kämmerers, sind auch zwei Einträge enthalten, die das „Erbegelt auff Merten Laßken gutte zu Taschendorff“ (1544) und das „Erbegelt auff Jorgen Lehemans Gutte zu Taschendorff“ (1545) betreffen.

 

Nach der Chronik des Klosters St. Marienstern (1894) war zwar ein größeres Gut, aber doch wohl kein Rittergut im eigentlichen Sinne vorhanden, da 1572 zum Besitz derer v. Ponickau gehörte. 1646 erwarb es August Friedrich v. Kötteritz, der sich 1655 über seine Untertanen sowohl in Taschendorf als auch in Schönbrunn und Burkau beklagte, weil sie sich nicht der Zwangsgesindeordnung unterwerfen wollten. Viel Freude muss er mit dem Taschendorfer Gut nicht gehabt haben, denn 1658/59 verkaufte er es wieder an die Ponickaus – selbstverständlich mit allen Untertanen, die ihm wohl den Gehorsam verweigert hatten. Später lebten in Taschendorf neun besessene Mann mit ihren Familien, ungefähr 60 Personen. Bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts blieb die Einwohnerzahl konstant. Zwei Häuser standen damals leer. Vielleicht nutzte die Frenzelsche Räuberbande aus Schmölln, die die Leute der Umgebung immer wieder in Angst und Schrecken versetzte, die beiden Gebäude als Versteck. Ältere Bewohner des Dorfes wussten vor Jahrzehnten aus mündlichen Überlieferungen, dass auch der Räuberhauptmann Johannes Karasek hier gewesen sei. Das ist unwahrscheinlich. Möglicherweise wurden im Verlauf der Zeit die Taten der Frenzel-Bande mit dem populären Namen Karaseks verknüpft. Ebenso wenig gab es einen „unterirdischen Gang“ in Taschendorf.

Ortsbildbestimmend sind der Dreiseithof (Bischofswerdaer Straße 17) mit dem Fachwerk-Obergeschoss des Wohnstallhauses und der Vierseithof (Bischofswerdaer Straße 18) mit zwei Torpfosten, Resten von Putzgliederung und Drillingsfenstern im Giebel des Wohnhauses. Die Häuser stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Nach 1990 entstanden am südlichen Ortseingang neue Einfamilienhäuser, ältere wurden liebevoll gepflegt und wieder herausgeputzt. Vor dem alten Forsthaus steht eine Schwengelpumpe mit der Jahresangabe 1963.

Die Flurnamen Wolschina (Erlenbusch), Schänkswinkel, Vogelgesang und Weinberg sind vergessen, bekannt geblieben ist das im Nordwesten Taschendorfs befindliche Waldgebiet, „der Waßling“.

Die selbstständige Gemeinde Taschendorf mit ihren kleinen Gartennahrungen, einer Gärtnerei, Geflügelzucht, Gastwirtschaft und Försterei verlor 1936 ihre Unabhängigkeit und wurde dem Nachbarort Uhyst angegliedert. Als einziger Einwohner aus Taschendorf erhielt der Geflügelzüchter Paul Nowak (Bischofswerdaer Straße 13) Bodenreformland aus dem Besitz der Ponickaus zugewiesen. Es waren viereinhalb Hektar Acker, Wiese und Wald in der Pohlaer Flur. Im April mussten sich auch die Taschendorfer Landwirte den Zeitläuften fügen und eine LPG gründen, allerdings gemeinsam mit den Uhyster Bauern. Seit 1994 gehört Taschendorf, wie sein früherer Hauptort, zur Gemeinde Burkau. 

Quelle: „Burkau und seine Ortsteile“(Autor: Horst Gersdorf)  herausgegeben von der Gemeindeverwaltung Burkau