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Neuhof

In Kreuzungspunkt der Linien Schweinerden/Kleinhänchen und Jiedlitz/Siebitz liegt auf offener Feldflur der Häuslerausbau Neuhof mit seiner ehemaligen Block- und Streifenflur. Hier waren bis zum Ende der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts dreiviertel der Bewohner Sorben. Zum ersten Mal wird Neuhof 1519 in einer Urkunde des Klosters St. Marienstern als „zum Nawenhofe“ erwähnt. In der Tat, hier haben wir es mit einem neuen Hof zu tun, der von Kleinhänchen aus als „Rittersitz“ eingerichtet wurde. 1759 wurde er als „Vorwerk und Schäferei mit einem Häusleranbau“ beschrieben. Heute fehlt davon jede Spur. Auffallend ist der Reichtum an Großgrün auf den  Grundstücken. Selbst Weintrauben reifen hier an Spalieren auf der Südseite der Häuser. Wo der Feldweg auf die Dorfstraße trifft, steht ein alter Wegweiser mit den Richtungshinweisen nach Kleinhänchen und Schweinerden. Unweit davon befindet sich das aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammende Wohnstallhaus mit Fachwerk zum Hof (Feldweg 1). Ein gut erhaltener fränkischer Torbogen verbindet das Wohnhaus mit der Scheune. Ein etwa zwei Meter hohes Holzkruzifix ist vor dem Haus Dorfstraße 11 zu sehen. Auf der Holztafel ist der Spruch zu lesen: „Zum Himmel ist ein Weg allein: durchs schwere Kreuz und anders kein“. Die katholischen Christen gehören zur Kirchgemeinde Crostwitz, die evangelischen Einwohner sind nach Uhyst gepfarrt. Von 1937 bis 1945 waren die sorbischen Dorfkinder gezwungen, die deutsche Schule in Uhyst zu besuchen, nach dem Zweiten Weltkrieg konnten sie wieder nach Panschwitz-Kuckau gehen.

Handwerker sind, wie 1852, als die „in gutem Zustand befindliche Schmiede“ zu verkaufen war, nicht mehr ansässig. Und auch die ehemalige Katzersche Schankwirtschaft hat längst geschlossen. Geblieben sind Akten, aus denen die Nachgeborenen erfahren, wie schwierig die Verhältnisse vor einhundert Jahren waren und wie sie der kleine Mann zu bewältigen versuchte. Ein Beispiel dafür ist der Tischler, Bauer und Gemeindevorstand Ernst Wätzlich. Er wurde 1881 in Neraditz geboren, lernte Tischler und besaß seit 1913 eine 4 Hektar große Landwirtschaft in Neuhof. Anfang 1914 sollte er Vorstand der Gemeinde Kleinhänchen mit Neraditz und Neuhof werden. Er wurde auch gewählt, lehnte aber die Übernahme des Amtes ab. Das begründete Wätzlich mit seinen nicht ganz einfachen Lebens- und Wohnverhältnissen so: „1) Durch die Versorgung meiner Landwirtschaft, und durch meine Tischlerei ist es mir ganz unmöglich, das Amt eines Vorstandes anzunehmen, weil ich sonst dauernd in meinem Berufe als Tischler gestört wäre, auch wäre der Verlust an Zeit und Geld mir unersetzlich. 2) Da ich unverheiratet bin, meine Eltern aber alt und unverläßlich sind, ist es mir unmöglich in meiner zeitweisen Abwesenheit vom Hause, eine geneigte Person zu halten, welche mich zu jeder Zeit sofort zurückholen könnte.“ Der Gemeinderat war unerbittlich und ließ Ernst Wätzlich wissen: „1) Der Vater Friedrich Wätzlich hat doch dieselbe Wirtschaft bewirtschaftet, er hat keine andere Arbeit nebenbei betrieben, und ist ganz gut durchgekommen. Bei der Landwirtschaft von 15 Scheffel Feld kann die Tischlerei überhaupt nur ganz nebensächlich angesehen werden. Für den angegebenen Verlust an Zeit und Geld sieht der Gemeinderat den Gehalt des Vorstandes von 100 M jährlich als genügend an. 2)Da doch der Gemeindeälteste, Karl Katzer, bis zum Ablauf seiner Amtsperiode in Neuhof verbleibt, ist doch die Stellvertretung in dringenden Angelegenheiten, jederzeit zur Stelle“.

 

Ernst Wätzlich gab sich nicht geschlagen und nannte noch zwei Gründe: die Beengtheit seines Hauses und das mangelnde Vertrauen des Gemeinderates gegenüber seiner Person. „Auch mangelt es mir an Räumlichkeiten und ich bin nicht im Stande die Gemeindeakten bei mir unterzubringen oder eventuell eine Gemeinderatssitzung in meiner Wohnung abzuhalten, denn meine Eltern haben eingeschriebenes Recht im Obergeschoß zwei Stuben zur alleinigen Benutzung und das Recht mit mitbenutzen der Wohnstube. Dann betreibe ich noch die Tischlerei in der betreffenden Wohnstube, weil ich keine anderen Räumlichkeiten habe. Auch habe ich einen größeren Auszug zu leisten und infolgedessen muß ich tüchtig bemüht sein, mir durch die Tischlerei etwas zu verdienen und durch das annehmen des Gemeindevorstandsamts wäre ich in meinem Geschäft als Tischler dauernd geschädigt, wo ich so schon mit großen Sorgen um eine Existenz ringen muß“. Der 33jährige Wätzlich blieb konsequent und drohte, falls er zur Übernahme des Amtes gezwungen werde, „sich anderweit als Tischler niederzulassen“. Gemeindevorstand wurde der 1856 in Luga geborene Johann Karl Sperling, der krankheitshalber im März 1919 zurücktrat. Sein Nachfolger wurde der Schneider und Kleinhändler Paul Hirsch – für zwei Monate. Inzwischen hatten sich die Zeiten geändert, und Ernst Wätzlich betrat wieder die Tribüne, ließ sich zum Bürgermeister wählen und blieb es bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Während seiner Amtszeit kam es wenige Tage vor der Auflösung der Gewerkschaften durch die Nazis (Mai 1933) zu einer Demonstration von sechs Personen im Neuhofer Gemeindeamt. Anführer war der in Demitz-Thumitz beschäftigte Steinarbeiter Max Ziesch aus Neraditz. Die Gründe dafür waren vor allem in der schlechten wirtschaftlichen Lage der Steinarbeiter zu suchen.

Quelle: „Burkau und seine Ortsteile“(Autor: Horst Gersdorf)  herausgegeben von der Gemeindeverwaltung Burkau