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Großställe gehen in Betrieb

von Sebastian Hein

Großställe gehen in Betrieb
Ovovac schließt bei Jiedlitz sein Investitionsprogramm ab. Geld floss auch in artgerechte Haltung und den Umweltschutz.

Von Constanze Knappe
Foto© Regina Berger

Ob es einem Küken gut geht, sieht die studierte Landwirtin Romy Olak mit geschultem Blick. Seit 2010 ist die Kamenzerin bei Ovovac tätig. Sie trägt als Produktionsleiterin Verantwortung für die Ställe in Leutwitz und Techritz und ab nächstem Sommer auch für die Aufzuchtanlage in Jiedlitz.Fotos: 18 Wochen bleiben die Küken in dem Stall. Ab der dritten Woche können sie die Volieren verlassen. Die zwischen Jiedlitz, Uhyst und Bocka gelegenen Ställe der Aufzuchtanlage. 50000 Küken werden in jedem der beiden Ställe zu Junghennen aufgezogen.
Um die 60 Gramm wiegt das flaumige Etwas in den Händen von Romy Olak. Es ist eins jener Küken, die vor einer Woche in den Großhühnerstall der Ovovac GmbH in Jiedlitz eingezogen sind. Bei 31 Grad Celsius und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit fühlt sich die Babyhenne wohl. Neugierig beäugt sie ihre Umgebung, die wird für 18 Wochen das Zuhause der Küken sein. In der Zeit wachsen sie zu Legehennen heran. „Bis dahin verlieren die Küken ihren Flaum und wechseln mehrmals ihr Federkleid“, erklärt Romy Olak. Die 29-Jährige ist Produktionsleiterin bei Ovovac, hat bisher die Legehennenställe in Leutwitz und Techritz überwacht. Derzeit in Elternzeit, wird sie ab Sommer 2016 auch Verantwortung für die Küken in Jiedlitz tragen.

Die sehen wie die meisten Jungtiere allerliebst aus. Das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei den zwei Riesenställen in ›Jiedlitz um Massentierhaltung handelt. Mit einer Kapazität von insgesamt 100 000 Küken. Untergebracht sind sie in Volieren mit speziellen Leuchtstäben. Deren Intensität wird ebenso über Computer gesteuert wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Belüftung und zusätzliches natürliches Licht von außen. Ebenfalls automatisch erfolgt die Zufuhr von frischem Wasser rund um die Uhr und die Fütterung. „Ab dem zweiten Tag holen sich die Küken selbst das Kükenstarterfutter aus der Futterbahn“, sagt Romy Olak. Die Volieren sind mit Pappe ausgelegt, damit sich die Vögel nicht die Zehen verletzen. Über Entmistungsbänder unter den Volieren wird der Kot abtransportiert, in separaten Kühlzellen gelagert und einmal die Woche von der Tierkörperbeseitigung abgeholt.

Kindergarten für Küken

Auf den Gängen in den Ställen liegt frische Einstreu einige Zentimeter dick. Sobald die Küken etwas älter sind, werden die Gitter der Volieren geöffnet, machen den Weg frei zu Abflugstangen und Hühnerleitern. „Wie in einem Kindergarten lernen die Küken alles, was eine erwachsene Henne können muss“, sagt Romy Olak. Fliegen zum Beispiel. Zur artgerechten Tierhaltung gehört das dazu. Rollensysteme unter den Volieren ermöglichen, dass sich die älteren Küken im Stall frei bewegen, also hingehen können, wohin sie wollen, dass sie in der Einstreu auf dem Boden „staubbaden“ können, um ihr Federkleid zu pflegen, oder nach Herzenslust herumscharren. Regelmäßig wird der Bestand von einer Tierärztin kontrolliert, die auch die Impfungen überwacht.

„Diese Bedingungen entsprechen der Bodenhaltung“, sagt Ovovac-Geschäftsführer Georg Gronbach. Unzählige Genehmigungen brauchte die Firma, bis die Aufzuchtanlage in Jiedlitz in Betrieb gehen durfte. Ovovac ist ein Tochterunternehmen der LSL Rhein-Main Geflügelvermehrungsbetriebe GmbH & Co. KG in Hessen. Anfang der 1990er Jahre kam das Unternehmen in Kontakt zu einem Pharmakonzern, der aus Eiern Grippeimpfstoff herstellte. Nach der Wende hatte auch das Dresdner Serumwerk einen wachsenden Bedarf an vorgebrüteten Eiern für den Impfstoff. Zusammen befand man, dass es besser sei, die Eier aus der Nähe zu holen, statt sie aus Hessen heranzuschaffen. Seit 2008 liefert die Brüterei in Burkau über 20 Millionen Eier jährlich an das Serumwerk Dresden. Ovovac betreibt dafür Legehennenställe in Techritz und Leutwitz. Eine Aufzuchtanlage sollte dies ergänzen. „Die Bemühungen um einen solchen Betrieb waren über Jahre ein Hindernislauf“, so Georg Gronbach. „Über die Ablehnungen an zehn Standorten kann ich ein Buch schreiben. Doch das ist vergessen, jetzt schauen wir in die Zukunft“, sagte er am Freitag bei der Einweihung in Jiedlitz.

Insgesamt beschäftigt Ovovac in der Region jetzt 25 Mitarbeiter, investierte zehn Millionen Euro. 2,7 Millionen Euro steuerte der Freistaat als Fördergelder bei. Die letzte Rate von 526 000 Euro wird vor Weihnachten überwiesen. Nach der Milchproduktion ist Hühnerhaltung der zweitstärkste Bereich der Tierproduktion im Freistaat. Mit wachsendem internationalem Markt. Auch deshalb seien Investoren im Agrarbereich in Sachsen willkommen, sagte ein Vertreter des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft. Fördergelder seien als Steueraufkommen bereits zurückgeflossen, so Ovovac-Chef Georg Gronbach.

Anwohner im Zwiespalt

Trotz der Erfolgsgeschichte sind die Riesenställe in Jiedlitz umstritten. Bis zuletzt hatten Anwohner aus Jiedlitz und Uhyst dagegen protestiert. Als Bürgermeister Sebastian Hein (CDU) vor zwei Jahren die erste Anfrage von Ovovac auf den Tisch bekam, war ihm nicht bewusst, wie viel Steine auf dem Weg liegen würden. Dennoch habe sich die Gemeinde für das Unternehmen starkgemacht. Wie auch der Landkreis. Um Bedenken aus der Welt zu schaffen, konnten Anwohner die vorhandenen Legehennenställe besichtigen und sich davon überzeugen, wie ernst es Ovovac mit Auflagen der Behörden nimmt. Mit der Einweihung jetzt sei von allen Beteiligten ein großer Druck genommen, so der Bürgermeister. In Schutzkleidung durften sich die Gäste den ersten, mit 50 000 Küken voll belegten, Stall anschauen. Entspannt wuselten die kleinen Vögel in den Volieren. Am Sonnabend wurde der zweite Stall bezogen. Zwei bis drei Durchgänge pro Jahr sind geplant. Die ersten Küken werden deutschlandweit verkauft, später auch Nachwuchs für die eigenen Ställe aufgezogen.

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