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Jiedlitz

JIEDLITZ

Das kleine Platzdorf liegt auf einer Höhe von 220 m in einer baum- und strauchlosen Umgebung. Der Ortsname geht auf das altsorbische Wort jedla zurück und bedeutet Tanne. Es ist der Hinweis auf eine bewaldete Flur in früheren Zeiten. Urkundlich wird das Dorf Gedelicz zum ersten Male im Jahre 1355 erwähnt, als das Kloster St. Marienstern Anteile erwarb. Wenig später wurden die Namen der Einwohner genannt, die an das Kloster zu zinsen und bäuerliche Produkte abzuliefern hatten. Das Dorf musste insgesamt noch 45 grossus und sechs hellensis Peticio aufbringen, dazu dreieinhalb Scheffel Roggen und sieben Scheffel Hafer. Das benachbarte Cannewitz mit seinen sechs Bauern gab Roggen, Hafer, Weizen, Flachs, Hanf, Mohn, Hühner, Eier und Käse ab. Geld natürlich auch!

Anteile an der Jiedlitzer Flur besaßen für längere und kürzere Zeit das Kloster St. Marienstern (1355), der Rat der Stadt Budissin (1547), das Rittergut Elstra (1580) und seit 1664 das ortsansässige Rittergut selbst, dessen Wohnhaus (Hauptstraße 8) mit einem wappenverzierten Schlussstein aus dem Jahre 1685 versehen ist. Da es im 19. Jahrhundert einen Umbau erfuhr, haben wir nicht mehr die ursprüngliche Gebäudeansicht vor Augen. Gut erhalten hat sich der Bauernhof (Kurze Straße 1) mit dem um 1800 gebauten Wohnstallhaus mit Fachwerk, Krüppelwalmdach und Hechtgaube und der gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Scheune mit Fledermausgauben. Dem mit Drempel und Mittelrisalit ausgestatteten Wohnhaus (Kurze Straße 7) schließt sich rechtwinklig der Stall mit Backstein- Ziergewände an.

Als 1938 die Erweiterung es Königsbrücker Truppenübungsplatzes erfolgte, entstanden in Jiedlitz fünf neue Gehöfte für umzusiedelnde Bauern. In den Jahren 1981/83 erweiterte sich die Dorfanlage um 16 Eigenheime.

Als 1908 zwölf Wirtschaften die „Satzung für die freiwillige Vereinigung zum Zwecke gemeinsamer Bullenhaltung“ beschlossen, verfügten sie über lediglich 67 Kühe. Davon gehörten 34 drei Gutsbesitzern, 15 fünf Wirtschaftsbesitzern, sechs dem Erbgerichtsbesitzer, sechs dem Mühlenbesitzer, vier dem Gastwirtschaftsbesitzer und zwei dem Schmiedemeister. Nach der Errichtung großer LPG-Ställe mit insgesamt 1640 Plätzen für Kühe und Schweine veränderte sich das bis dahin harmonisch wirkende Dorfbild erheblich.

Die ehemaligen LPG-Ställe nutzt heute die Taucherwald Agrar GmbH.

Jüngeren Datums ist die 1991 entstandene private Damwildzucht (Hauptstraße 15 C). Im vier Hektar großen Gehege leben 50 Tiere.

Etwa einen Kilometer westlich entfernt liegt die zu Jiedlitz gehörenden Buchholzmühle. Als 1932 das Wasserrad baufällig wurde, erhielt sie als Antrieb eine Turbine und 1937 eine Freifluteranlage am Mühlgraben. Damals kam es auch zum Ausbau und der teilweisen Verlegung des alten Grenzwassers, das zwischen Neustädtel und der Ostroer Schanze in das Klosterwasser fließt. Unmittelbar an der Mühle führt ein Wanderweg vorbei.

 

Seit wann es eine Feuerwehr in Jiedlitz gibt, ist nicht bekannt. Es war jedenfalls keine Feuerwehr im üblichen Sinne, weil jeder erwachsene Mann Feuerwehrdienst zu leisten hatte, da von auswärts bei Ausbruch eines Feuers kaum Hilfe zu erwarten war. Früher war Jiedlitz von 8 Uhr abends bis 8 Uhr morgens ohne Telefonverbindung, und „Sirenen, Glocken und sonstige Alarmsignale“ gab es nicht. Im Herbst 1889 gehörten dieser Feuerwehr zwölf Männer an. Als sog. Wasserbezugsorte, an die im Brandfall die Spritze zu bringen war, standen Teiche und Brunnen zur Verfügung. Um 1925 verfügte Jiedlitz über zwei Feuerwehrspritzen – eine gehörte der Gemeinde, die andere dem Rittergut, das im äußersten Notfall sein Gerät mit zum Einsatz brachte. Zwei Handdruckspritzen vervollständigten die Ausrüstung. Für Feuerhaken und Leitern waren die Hausbesitzer zuständig. Anlässlich einer Inspektion wurde glaubhaft versichert, dass „im Umgang  mit der Spritze jeder Ortsbewohner gut vertraut“ sei.

Vor 100 Jahren bildete Jiedlitz mit Auschkowitz, Bocka, Glaubnitz, Kaschwitz, Kleinhänchen, Neraditz und Neuhof einen Standesamtsbezirk, der 705 Seelen umfasste. Diesem Bezirk stand der Jiedlitzer Gemeindevorstand Karl August Leuner vor. Einem die Registerführung prüfenden Beamten der Kreisverwaltung fiel auf, dass der Gemeindevorstand im Jahre 1883 den Schuhmacher Carl Helas und die unmündige Marie Anna Schmidt aus Kleinhänchen ohne vormundschaftliche Genehmigung getraut hatte. Leider war es nicht Leuners erster Fall. Bereits aus „Unkenntnis oder irrtümlicher Auffassung der Vorschrift“, vermochten die Kontrolleure nicht festzustellen. Es war aber, wie sich bald herausstellte, nicht der einzige Standesbeamte in der Amtshauptmannschaft. Von einer Bestrafung sah der Beamte ab. Dennoch kam die Angelegenheit vor den Staatsanwalt. Weil Leuner ein sog. Abolitionsquantum in Höhe von 10 Mark zahlte, erließ seine „Königliche Majestät in Gnaden“ die weitere Bestrafung.

Als das unverheiratete Dienstmädchen Johanne Rohark aus Auschkowitz ihren, vom Handarbeiter Johann Karl Hoibjan stammenden Sohn Max Otto anmeldet, schrieb K. A. Leuner beide Familiennamen falsch in die Geburtsurkunde: Hoilbjan und Rohack. Um die Sache aufzuklären, bemühte man sogar die Amtshauptmannschaft und Amtsgericht.

Ein ganz anderer Dorfverbund als der Standesbezirk war im 19. Jahrhundert der „gemeinschaftliche Jagdbezirk“ der Ortschaften Jiedlitz, Cannewitz und Neustädtel. Wer in diesem Gebiet jagen wollte, hatte die Berechtigung dazu beim Jiedlitzer Gemeindevorstand zu beantragen. Neben dem Rittergut bemühte sich auch das Kloster St. Marienstern um Jagdrechte auf den Dominial- und Rustikalfluren. Dabei berief sich das Rittergut auf den Rechtstitel der „Beleihung in Gemäßheit der Lehnbriefe“ und das Kloster auf die Koppeljagdberechtigung, die König Wenzelslaus 1417 bestätigte.

Im Oktober 1915 beschlossen die Gemeindevertreter eine Gemeindesteuerverordnung, die, durch 22 Nachträge immer wieder aktualisiert, bis 1937 galt. Als wichtigste Steuer galt die Grundsteuer. Die Kirchensteuer orientierte sich an der Grund- und Einkommenssteuer, und die Schule forderte den Schulgroschen.

1974 verlor Jiedlitz seine Selbstständigkeit und Gemeindeteil von Kleinhänchen, 1994 von Burkau.

 

Quelle: „Burkau und seine Ortsteile“(Autor: Horst Gersdorf)  herausgegeben von der Gemeindeverwaltung Burkau