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Großhänchen

Großhänchen

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Der frühere Name des Dorfes lautet Heinichen, Heinichin oder Heinechen. Es bedeutet eine am oder im gehegten Walde gelegene Siedlung, die auf einer Rodungsfläche entstand. Als „Major Heynichich“ (Groß-Hänchen) taucht es 1374/82 im Zinsregister des Klosters St. Marienstern auf. Der Zusatz „Major“ deutet darauf hin, dass es um diese Zeit auch Klein-Hänchen gegeben haben muss. Die heute gültige Schreibweise des Ortsnamens wurde 1911 administrativ verfügt.

Als einziges Dorf der Gemeinde Burkau bestand es aus zwei selbständig voneinander unabhängigen Dorfteilen: der Meißner Seite (MS) und der Lausitzer Seite (LS), die dem Amte Stolpen bzw. dem Bautzener Kreis unterstanden. Erst 1923 kam es zum Zusammenschluss beider Teile zu einer Gemeinde. Einhundert Jahre zuvor (1824) sorgte der „Waßergraben“, der geschlämmt und geräumt werden sollte, für beträchtlichen Streit. Lassen wir die Akten sprechen: „An der Grenze hin, welche den Großhänchner oberlausitzschen Antheil von dem Großhänchner meißnischen Antheil scheidet, gehet von Abend gegen Morgen ein Waßergraben, welcher gemeinschaftliches Eigenthum beider Antheile ausmacht und deshalb auch von jeher und seit undenklichen Zeiten von Michael Krahls Polbritzschen Antheils Garten bis zu den sogenannten Lehmannschen Brunnen Meißnischen Antheils von den Gemeindegliedern beider Antheile gemeinschaftliche im Stande gehalten worden ist.“ Nun besaßen die Einwohner der Meißner Seite die „Anmaaslichkeit, solchen anstatt blos auf ihrer Seite, auf beiden Seiten zu schlämmen“, wobei der Gartennahrungsbesitzer Michael Böhmer regelrecht in Wut geriet, als der Gerichtsschöppe Johann Sperling von der Lausitzer Seite „in aller Gelaßenheit und Freundschaft“ den Leuten auf der Meißner Seite zurief: „Nachbarn, das kommt uns zu, das braucht ihr nicht zu machen“. Als Sperling noch hinzufügte, dass auch die Einwohner seines Anteils „Eigenthumsrechte an gedachten Graben und seiner Umgebung  hätten“, kam das Fass zum Überlaufen. Böhmer zornig: „Ein Hundsvot ists, wer solches spricht“ und drohte, den Sperling „mit der Hacke mausetodt“ zu schlagen, wenn er „nicht stille sey“. Die herbeigeeilten Einwohner Glausche und Jaurich verhinderten den Mord. Böhmer ließ sich durch  nichts abhalten und begann auf der Lausitzer Seite zu arbeiten. Der Gerichtsschöppe George Jaurich versuchte zu schlichten. Um seinen  Argumenten etwas Nachdruck zu verleihen, gab Böhmer und „den übrigen zu erkennen, daß der erste, welcher wieder auf hiesiger Seite gedachten Grabens arbeite, gepfändet würde“. Inzwischen waren alle Wirte des Meißner Anteils zur Schlämmung eingetroffen, aus dem Lausitzer Anteil nur wenige, zumeist Dienstboten. Die Lausitzer Einwohner gaben daraufhin nach, und die Meißner schlämmten den Graben. Dabei haben sie „denselben eigenmächtig schmähler gemacht und verzäunt und bei gedachtem Graben ohngefehr zwei Metzen nach Kornaussaat gerechnet und die auf der Gemeindeau gestandenen Erlensträucher, zwei und zwanzig der Zahl und vierjährigen Wuchses, mehr und weniger abgehauen, auch einige der Stöcke durch Anschüttung mit Schlamm insofern beschädigt, daß ihr künftiges Ausschlagen hierdurch behindert“. Weil nach der Auffassung der Lausitzer Seite diese „Ungebührnisse“ nicht nur eine Beeinträchtigung des Mieteigentums am Wassergraben darstellten, sondern auch eine Verletzung der „Meißnischen und oberlausitzschen Landesgrenze“, wurde das Amt Stolpen „als competente Behörde des Meißnischen Anteils hiesigen Ortes“ in Kenntnis gesetzt und um Abstellung der Beeinträchtigung gebeten. Außerdem sollte sie sich für die Zahlung „fallsiger Entschädigung“ einsetzen. Im Verlauf des Jahres 1825 wurde der „Grenzstreit“ zu den Akten gelegt.

 

25 Jahre danach starb im Alter von 52 Jahren der „Landwierdt und Gemeindevorstand“ Jacob Glausch, der im Grenzstreit zu vermitteln suchte.  Er muss alleinstehend gewesen sein, denn als Erben werden nur Brüder und Schwestern genannt. Erhalten blieben sein gesamtes Nachlassverzeichnis, diverse Rechnungen und allerlei  Ausgabebelege. Diese Schriftstücke ermöglichen uns einen Einblick in die Vermögens- und Lebensverhältnisse eines Kleinbauern vor 150 Jahren. Weil die Erben kein Interesse am Hufengut hatten, wurde es durch das Stadtgericht zu Budissin im Kreisblatt zur öffentlichen Versteigerung ausgeschrieben. Zum Hufengut gehörten ein Wohnhaus, einen Scheune, ein Schuppen und (nicht im Wohnhaus untergebracht) Ställe. „Das Wohnhaus ist zwei Stock hoch, der untere Stock bis auf die gewällerte Wohnstube gemauert, der Oberstock von Holz mit Lehm ausgestakt und das Dach mit Stroh belegt. Es enthält unten den Hausraum, in welchem der Eingang in den Keller ist, sowie die Breterwand geschlossenen Herd, die Wohnstube, den Schwein- und den Kuhstall und ein Absatzkämmerchen. Im Oberstock ist ein Vorsaal mit drei gedielten Kammern und der offene Boden gediehlt“.  Aufgelistet werden die Kleidungsstücke, die „Holzgereetschaften“ (mit 65 Positionen), der Holzvorrat, der Vieh- und Getreidebestand. Im Verzeichnis finden sich auch „2 Schiböcke“, ein „Sank Buch“, eine wendische Bibel, eine „Pflinte“ und eine „Tabags Pfeife“.

Sechs Tage nach dem Tode, 1850 schreibt der 60jährige Stiefbruder Peter Glausch, „ein Wietwer (und) Ausziegler auf den Meißnischen Antheile“, der offenbar den Jacob auf dem Hufengut unterstützte, auf, was er noch aus dem hinterlassenen Barvermögen zu bekommen hat.

Interessant ist, wie viel die Beerdigung und der Leichenschmaus kosteten. Wie viel Trauergäste dem Gemeindevorstand, der in Uhyst beigesetzt wurde, das letzte Geleit gaben, erfahren wir nicht.

Als eines der ältesten Wohngebäude in Großhänchen gilt das 1787 errichtete Wohnstallhaus Dorfstraße 10 mit verbrettertem Fachwerk in Obergeschoss und aus Sandstein bestehenden Tür- und Fenstergewänden. Der Vierseithof Leutwitzer Straße 13 mit rundbogigen Drillingsfenstern im Giebel, mit Hecht- und Fledermausgauben stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und wird als Reiterhof genutzt. Großhänchener und Uhyster gründeten 1998  den „Reitverein Taucherwald“. Das Wohnstallhaus Leutwitzer Weg 2 mit angemauertem Umgebinde wurde 1827 gebaut. Die darin eröffnete Gaststätte „Bauernstube“ gibt es nicht mehr. Viele Fachwerkobergeschosse sind verbrettert, nicht so am Wohnhaus Dorfstraße 6. Auffallend sind die beiden Bauerngehöfte Dorfstraße 1 und 2 mit ihren zweigeschossigen Wohnhäusern mit Walmdach und Granitwänden, die 1853 (Dorfstraße 1) und um 1860 (Dorfstraße 2) gebaut wurden. Zu den erhaltenswerten Denkmalen gehören drei Wegsteine mit z. T. verwitterter Inschrift.

Die Dorfsilhouette ist trotz neuer Bauten erfreulicherweise erhalten geblieben.

Mitte des 19. Jahrhunderts bestand die Großhänchener Bevölkerung zu drei Viertel aus Sorben. Einer davon war Gutsbesitzer Muka (Mucke), dessen Sohn Arnošt noch heute als einer der bedeutendsten Sorabisten gilt. Er wurde 1854 geboren, besuchte das Bautzner Gymnasium und studierte anschließend klassische Sprachen und Slawistik. Als Lehrer wirkte er in Zittau und Bautzen. Aufgrund seines sorbischen Engagements musste er auf Betreiben der Behörden 1883 Bautzen verlassen und wurde nach Chemnitz versetzt, später nach Freiberg. Im Jahre 1916 kehrte er als (Vor)ruheständler nach Bautzen zurück, wo er 1932 starb.

Arnošt Muka verfasste eine Laut- und Formenlehre der niedersorbischen Sprache sowie ein Wörterbuch, er gab die gesammelten Schriften der sorbischen Dichter Handrij Zejler und Jacob Bart-Čišinski heraus, veröffentlichte die Sprichwortsammlung von Jan Radyserb-Wjela und trug auf unzähligen Ferienwanderungen eine Statistik der sorbischen Bevölkerung zusammen. Schließlich war ein war er Redakteur der belletristischen und wissenschaftlichen sorbischen Zeitschrift. Wissenschaftliche Akademien und gelehrte Gesellschaften des Auslandes ernannten ihn zum Mitglied (Krakau, Zagreb, Prag, Belgrad, St. Petersburg und Warschau). Nach dem Zweiten Weltkrieg benannte die Stadt Bautzen eine Straße nach ihm. Am Großhänchener Geburtshaus erinnert leider keine Tafel an diesen bedeutenden Gelehrten des Dorfes.

Wer Großhänchen besucht, findet zwar ein Lebensmittelgeschäft vor, in dem die Einwohner die wichtigsten Waren des täglichen Bedarfes einkaufen können, die Einkehr in einem Gasthaus ist jedoch nicht mehr möglich. Auch die Bäckerei hat ihren Betrieb eingestellt, ebenso das Autohaus Matticzk, das bis zur Verlagerung nach Bautzen seinen Sitz in Großhänchen (Dorfstraße 8) hatte. Ansässig ist ein Heim-Frost-Handel und eine Ausbau- und Sanierungssysteme GmbH.

 

Quelle: „Burkau und seine Ortsteile“ (Autor Horst Gersdorf)  herausgegeben von der Gemeindeverwaltung Burkau